Kiews beeindruckende Geschichte

Kiews bewegte Geschichte...

...ist offiziell über 1500 Jahre alt.

Die Stadtgründung wurde auf das Jahr 482 festgelegt. Aber bereits zu Lebzeiten von Jesu Christi soll der Apostel Andreas auf einem der Kiewer Hügel ein Kreuz aufgestellt haben. Es gibt eine überlieferte Sage, die die Entstehung Kiews so beschreibt: Kiew wurde von den ostslawischen Fürsten gegründet. Demnach bildeten zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert die Brüder Kij, Schtschek, Choriw und ihre Schwester Lybid hier die erste Siedlung, die nach dem ältesten Bruder Kij benannt wurde. Erst im Jahrhundertelangen Prozess entwickelte sich die Siedlung zu einer richtigen Stadt. Kiew bestand lange Zeit aus den drei städtischen Siedlungen Podol, Oberstadt und Petschersk. Podol war das Handels- und Industriezentrum. In der Oberstadt war das Verwaltungszentrum ansässig. In dem Stadtteil Petschersk war das Geistliche Zentrum. Oft wurde die Stadt zerstört, wurde aber von den mutigen Einwohnern immer wieder aufgebaut.

Ende des 9. Jahrhunderts begann die Epoche der Kiewer Rus´. An dieser Stelle: „Rus“ heißt nicht „Russland“. Es war zu der damaligen Zeit die Vereinigung von ostslawischen Stammesverbänden. Erst im Laufe der späteren Jahrhunderte bildeten sich die Nationalitäten mit eigenen Sprachen: Russen, Ukrainer und Weißrussen. Die Historiker sind sich bis heute nicht ganz einig, ob die „Rus“ ein ukrainischer oder russischer Staat gewesen ist. Wie dem auch sei, nach dem sich die slawischen Ländereien vereint hatten wurde Kiew zur Hauptstadt und dem Zentrum für wirtschaftliche politische und geistige Beziehungen unter anderem mit Bagdad, Byzanz (heute Istanbul), Rom.

Die erste Blüte erlebte Kiew im 10. Jahrhundert. Durch die verkehrsgünstige geografische Lage der Stadt, verlief hier der legendäre Handelsweg „Von den Warägern zu den Griechen". Das ermöglichte einen regen Handel mit dem nahen und fernen Ausland. Großfürst Wladimir (980-1025) beschleunigte die Entwicklung der Stadt. Nach seiner Taufe wurde das Christentum als Staatsreligion eingeführt. Unter der Herrschaft vom Wladimir des Großen wurde Kiew zu einer Stadt mit Palästen und Befestigungsanlagen. Damals muss Kiew sehr beeindruckend gewesen sein, denn sie zählte zu den reichsten und größten Städten Europas.

Nach dem Tod des Großfürsten ging Kiew in den Besitz seines Sohnes Fürst Jaroslaw den Weisen (1019-1054). Er war sehr bemüht die Kultur und Bildung in Kiew zu fördern, daher ist diese Bezeichnung durchaus gerechtfertigt. In seiner Zeit wurde die prächtige Sophienkathedrale errichtet. Kiew war ein wichtiges politisches Zentrum und durch geschickt gestiftete Ehen fest in Europa integriert. Seit dem 1051 die Kiewer Höhlenklöster gegründet wurden, nahm Kiew die geistige Führungsrolle in der osteuropäischen Christenheit ein. Zu dieser Zeit gab es in Kiew bereits 400 Kirchen und schätzungsweise 100 000 Einwohner.

Leider kam Ende 1240 ein großer Einschnitt. Unter der Führung von Batu Khan, einem Enkel von Dschingis Khan, wurde die Stadt nach langen Kämpfen von den Mongolo-Tataren eingenommen und beinahe vollständig zerstört. Knapp 100 Jahre später kam Kiew an Litauen und 1569 an Polen. Gegen die erneute Unterdrückung entwickelte sich im 17. Jahrhundert ein Widerstand. Unter der Führung des kosakischen Hetmans Bogdan Chmelnitzki wagten die Ukrainer einen Aufstand. Trotz der Tatsache, dass Ukraine von den litauischen und polnischen Magnaten befreit war, ersuchte der Führer Chmelnitzki den Beistand Moskaus. So wurde ein Vertrag geschlossen und die Stadt fiel 1667 unter die russische Vorherrschaft. So wurde Kiew die Hauptstadt eines russischen Gouvernments. Ab 1934 war Kiew die Hauptstadt der Sowjetrepublik Ukraine.

Während der Stalinherrschaft zwischen 1934-1937 wurden in Kiew fast hundert Kirchen und Klöster abgerissen. In den Jahren 1932 und 1933 verhungerten bis zu vierzehn Millionen Menschen in der UdSSR, vor allem Ukrainer. Unter ihnen befanden sich ca. 350 000 Russland-Deutsche. Die verheerende Hungersnot geschah aufgrund forcierter Zwangskollektivierung und übertriebener Kulakverfolgung. Im 2. Weltkrieg wurde Kiew stark zerstört und lag nach dem Rückzug der Wehrmacht 1943 in Schutt und Asche. Während der deutschen Besatzung 1941-1943 wurden schätzungsweise 160 000 Zivilisten, sowjetische Kriegsgefangene und Juden in Kiew ermordet. In der Schlucht von Babi Jar geschah eines der großen Nazi- Verbrechen. Allein an diesem Ort wurden mehr 33 000 Kiewer Juden ermordet. Trotz fortlaufenden Stalinischen Terror mit Säuberungen und Hinrichtungen lief nach dem Kriegsende der Wiederaufbau schnell an. Vor allem lief die Industrieproduktion an und die Verkehrsinfrastruktur wurde wieder hergestellt.

1982 feierten die Kiewer...

...das 1.500-jährige Bestehen der Stadt am Dnjepr.

Die Tschernobylkatastrophe am 26. April 1986 war ein weiteres trauriges Datum in der Geschichte Ukrainas. Die Katastrophe wurde von den Behörden tagelang verschwiegen, so dass einige Tausend Kiewer bei der Parade am 1. Mai ahnungslos auf dem Kreschatik marschierten. Auch die anschließenden Versuche die Tragödie herunterzuspielen haben den Menschen das Vertrauen dem kommunistischen System gegenüber, ganz geraubt. So wurde das Bestreben nach Unabhängigkeit angefacht. Nun ist Kiew seit 1991 die Hauptstadt der unabhängigen Ukraine.

 

Zu den letzten bewegenden Ereignissen zählen ohne Zweifel die beiden Bürgerbewegungen, mit dem Ziel durch Massenprotesten einen grundlegenden Systemwechsel anzustreben. Grundsätzlich sind Ukrainer ein friedliches Volk, aber um Gerechtigkeit zu erlangen hat sich die Bevölkerung in den Jahren 2004 und 2013 zu massiven Protesten mobilisiert. So kam es 2004 zu der  sogenannten Orangenen Revolution, die sich gegen Wahlfälschungen bei den Präsidentschaftswahlen richtete. Die Orangene Revolution dauerte von 21. November bis 5. Dezember. In Folge dessen wurde die verlangte Wiederholung der Stichwahl beschlossen.

Um nicht all zu sehr politisch zu werden, möchte ich nur zusammenfassend über die Folgesituationen berichten - im Jahre 2010 betonte der neugewählte Präsident Wiktor Janukowytsch, dass Ukraine nun eine Brücke zwischen Russland und Europa werden soll. Da war die Hoffnung groß, dass durch Annäherung an die Europa die Menschen nun weniger Korruption, mehr Würde und höhere Löhne haben werden.

Um so enttäuschter waren die Ukrainer, als die Regierung im November 2013 das Assoziierungsabkommen mit der EU vorerst nicht unterzeichnete. Folglich kam es dann Anfang Dezember zu Massenprotesten, die bis Ende Februar 2014 andauerten. So erlangte Maidan, der zentrale Platz in Kiew in der ganzen Welt eine traurige Berühmtheit. Die Bilder mit brennenden Barrikaden und den hundert tausenden Menschen im Herzen Kiews zeigten, dass der Kampf gegen die Regierung den Menschen wichtiger war als ihr eigenes Leben! Diese "Revolution der Würde" die bei uns unter der Bezeichnung "Euromajdan" bekannt ist, führte zwar zum gewollten Sturz des Präsidenten Janukowytsch, gleichzeitig forderte sie aber auch den Tod von zahlreichen Maidan-Kämpfern.   

Heute ist Kiew mit fast 3 Millionen Einwohnern eine der größten Städte Europas - friedlich und lebendig, die ihre Besucher aus ganzer Welt herzlich empfängt. Auf den Straßen hängen ukrainische blau-gelbe Fahnen, oft neben der Europaflagge. Zahlreiche moderne Industriebranchen haben sich hier erfolgreich niedergelassen. Auch Autobahnen und Eisenbahnstrecken sind gut ausgebaut. Die sauber gehaltene Stadt ist gastfreundlich und mit den breiten Boulevards, unzähligen Parks und den monumentalen Gebäuden anmutig und elegant. In den letzten Jahren wurde in Kiew viel gebaut und so wünsche ich der Stadt, dass sie sich zu einer der schönsten Städte der Welt entwickelt.

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